Karl-Kessler-Schule Aalen: Schlosser Holzbau realisiert rückbaubare Holz-Beton-Verbunddecken im kommunalen Schulbau

Jagstzell, im Januar 2025.

Mit dem Neubau der Karl-Kessler-Schule entsteht in Aalen ein kommunales Schulgebäude, das konstruktive Leistungsfähigkeit mit einer vorausschauenden Betrachtung des gesamten Gebäudelebenszyklus verbindet. Schlosser Holzbau realisiert in dem Projekt Holz-Beton-Verbunddecken (HBV), die erstmals so ausgeführt werden, dass ein späterer Rückbau sowie die Trennung der eingesetzten Baustoffe konstruktiv mitgedacht sind. Zum Einsatz kommen rückbaubare KVB-Verbinder von Reisser, die eine sortenreine Trennbarkeit von Holz und Beton ermöglichen. Damit wird ein bewährtes Deckensystem gezielt weiterentwickelt – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im kommunalen Schulbau.

HBV-Decken als wirtschaftliche Lösung für den Schulbau

Holz-Beton-Verbunddecken haben sich im Bildungsbau seit Langem bewährt. Sie ermöglichen wirtschaftlich größere Spannweiten und eignen sich insbesondere für Gebäude mit hohen Anforderungen an Nutzungskomfort und Langlebigkeit. Gleichzeitig lassen sich bauphysikalische Anforderungen wie Schallschutz, Schwingungsverhalten und Brandschutz vergleichsweise effizient erfüllen. Gerade für Schulgebäude, in denen flexible Grundrisse, robuste Konstruktionen und eine hohe Nutzungsintensität gefordert sind, bieten HBV-Decken damit klare Vorteile gegenüber reinen Holzkonstruktionen.

Kervenverbund: leistungsfähig, bislang jedoch nicht rückbaubar

Im Schulneubau werden HBV-Decken mit Kervenverbund eingesetzt. Bei dieser Bauweise erfolgt die Lastübertragung überwiegend kraftschlüssig über die Geometrie der Verbindung. Im Vergleich zu schraubenbasierten Verbundsystemen weist der Kervenverbund eine höhere Steifigkeit, die sich positiv auf das Schwingungsverhalten der Decke auswirkt.

Auch bei dieser Verbundart sind Schrauben erforderlich. Sie übernehmen jedoch nicht den Schubverbund, sondern dienen ausschließlich der Abhebesicherung zwischen Holz und Beton. In herkömmlichen Ausführungen sind diese Schrauben vollständig einbetoniert und beim Rückbau weder auffindbar noch lösbar. Eine Trennung der Materialien war bislang praktisch ausgeschlossen.

Rückbaubare Abhebesicherung als konstruktive Weiterentwicklung

Im Schulneubau in Aalen kommt erstmals eine zugelassene, rückbaubare Lösung für diese Abhebesicherung zum Einsatz. Die verwendeten KVB-Verbinder sind so konstruiert, dass sie nach der Nutzungsphase identifiziert, freigelegt und entfernt werden können. Damit lassen sich Holz, Beton und Verbindungsmittel am Ende der Nutzung sortenrein trennen und weiterverwerten oder recyceln. Für den kommunalen Schulbau eröffnet sich damit eine neue Perspektive: Die Vorteile leistungsfähiger Holz-Beton-Verbunddecken bleiben vollständig erhalten, werden jedoch um den Aspekt der Rückbaubarkeit ergänzt.

Planung im Bauteam als Grundlage für Innovation

Die architektonische Planung der Karl-Kessler-Schule liegt bei Liebel Architekten in Aalen. Gleichzeitig wurde das Projekt von Beginn an als integrierter Prozess im Bauteam entwickelt. Schlosser Holzbau war frühzeitig in die konstruktive Ausarbeitung eingebunden und verantwortete die technische Holzbauplanung, die Werkstattzeichnungen sowie die vollständige 3D-Modellierung des Gebäudes.

Gerade bei neuen konstruktiven Ansätzen ist diese enge Verzahnung von Architektur, Fachplanung und Ausführung entscheidend. Die Rückbaubarkeit der Holz-Beton- Verbunddecken ist kein nachträglicher Zusatz, sondern Ergebnis eines abgestimmten Planungsprozesses innerhalb des Bauteams.

Karl-Kessler-Schule: Konstruktion mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus

In den Ebenen E0 bis E3 werden aktuell rund 2.350 Quadratmeter Holz-Beton- Verbunddecken realisiert. Die Fertigteildecken spannen jeweils etwa acht Meter und liegen auf blockverleimten Holzträgern auf. Insgesamt kommen rund 5.600 rückbaubare KVBVerbinder zum Einsatz, die im Bauablauf vergossen werden. Damit entsteht eine Konstruktion, die sowohl den funktionalen Anforderungen des Schulbetriebs als auch einer langfristigen Betrachtung von Rückbau und Ressourcennutzung gerecht wird. Die Fertigstellung des Projekts ist für den Sommer 2026 vorgesehen (?).

Schulbau weiterdenken

Der Neubau der Karl-Kessler-Schule in Aalen zeigt, wie sich bewährte Holz-Beton- Verbundsysteme weiterentwickeln lassen. Durch integrierte Planung, konstruktive Weiterentwicklung und frühzeitige Zusammenarbeit aller Beteiligten entsteht ein Schulbau, der heutigen Anforderungen gerecht wird und zugleich zukünftige Entwicklungen mitdenkt.

Stimmen zum Projekt

Wolfgang Balle, Stadtverwaltung Aalen, Hochbauamt:
„Bei kommunalen Schulbauten betrachten wir zunehmend den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Die Möglichkeit, Bauteile später sortenrein zu trennen und weiterzuverwenden, ist dabei ein wichtiger Aspekt für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.“

Bernd Liebel, Liebel Architekten Aalen:
„Gerade bei anspruchsvollen Konstruktionen ist es entscheidend, Fachplaner frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden. Nur so lassen sich neue technische Lösungen von Anfang an sinnvoll in Entwurf und Konstruktion integrieren.“

Marlen Schlosser, Schlosser Holzbau, Jagstzell:
„Innovationen im Holzbau entstehen nicht auf der Baustelle, sondern im Planungsprozess. Entscheidend ist, dass Fachplanung frühzeitig Teil des Bauteams ist. Nur so lassen sich neue konstruktive Lösungen wie rückbaubare Holz-Beton-Verbunddecken technisch sauber entwickeln und in die Praxis überführen.“

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