MAGAZIN
Bestand trifft Holz Netzwerktreffen 2026 im Kloster Reimlingen
Im Austausch über Potenziale und Herausforderungen
Wie lassen sich bestehende Gebäude weiterentwickeln, wenn zusätzlicher Wohnraum gebraucht wird, Genehmigungsprozesse komplex sind und unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen? Diese Fragestellungen standen im Mittelpunkt des Netzwerktreffens „Bestand trifft Holz – Potenziale im Bestand“, zu dem wir gemeinsam mit proHolz Baden‑Württemberg und proHolz Bayern ins Kloster Reimlingen eingeladen haben. Das große Kirchenschiff des ehemaligen Klosters als Veranstaltungsort bot einen besonderen Rahmen für einen offenen, fachlichen Dialog. Ein Ort, der Geschichte trägt und gleichzeitig Raum für neue Perspektiven schafft.Praxisnaher Einstieg: Bauherrensicht aus erster Hand
Einen zentralen inhaltlichen Auftakt bildete der Vortrag von Herrn Weik (Bauherr). Er stellte das Projekt Kloster Reimlingen aus Bauherrensicht vor und sprach offen über die realen Herausforderungen, die mit der Entwicklung im Bestand verbunden waren.
Im Fokus standen dabei nicht nur konstruktive Fragen, sondern insbesondere die Abstimmung mit Gemeinde und Anwohnern, Genehmigungsprozesse sowie die Notwendigkeit, frühzeitig transparente Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Herr Weik zeigte auf, welche strategischen Überlegungen zur Entscheidung für die Aufstockung geführt haben und wie strukturierte Planungs‑Workflows dabei halfen, Komplexität beherrschbar zu machen. Diese Einblicke machten deutlich, wie wichtig klare Prozesse und partnerschaftliche Zusammenarbeit für den Projekterfolg sind.
Fachliche Impulse und gemeinsamer Austausch
Darauf aufbauend folgten kurze, prägnante Präsentationen aus Planung und Holzbau. Wir zeigten, wie wir Projekte im Bestand begleiten – von der ersten Einschätzung der Tragfähigkeit über die Integration von Bauphysik und Brandschutz bis hin zur Vorbereitung einer seriellen Umsetzung.
Gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutierten wir, welche Fragen früh geklärt werden müssen, um Planungssicherheit zu schaffen, Schnittstellen zu reduzieren und Investitionsentscheidungen abzusichern. Der Fokus lag dabei bewusst auf realen Entscheidungswegen, nicht auf theoretischen Idealbildern.
Baustellenbesichtigung: Inhalte am Objekt vertiefen
Ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerktreffens war die Besichtigung der Klosteraufstockung. Der Rundgang bot die Möglichkeit, die zuvor diskutierten Inhalte direkt am Bauwerk nachzuvollziehen.
Vor Ort wurde sichtbar, wie die Aufstockung im Bestand umgesetzt wird, wie Anschlüsse gelöst sind und welchen Einfluss Vorfertigung und Holzbauweise auf Bauzeit und Eingriffstiefe haben. Fragen zu Tragstruktur, Bauablauf und Abstimmung mit dem Bestand konnten unmittelbar diskutiert werden – ein Austausch, der Theorie und Praxis eng miteinander verband.
Ergänzend wurden weitere Holzbauansätze von Holzius aus Südtirol vorgestellt. Unter anderem leimfreie Vollholzsysteme, die als zusätzliche Perspektive in den fachlichen Dialog eingebracht wurden.
Netzwerk als Mehrwert
Was das Netzwerktreffen 2026 in Reimlingen besonders gemacht hat, war die Qualität des Austauschs. Bauherrschaft, Planung, Ausführung und institutionelle Partner kamen auf Augenhöhe ins Gespräch. Es ging nicht um fertige Antworten, sondern um gemeinsames Verstehen und Weiterdenken.
Für uns ist genau das der Kern solcher Formate: Wir bringen Beteiligte zusammen, strukturieren Erfahrungen aus realen Projekten und schaffen Raum für Diskussionen, die über das einzelne Bauvorhaben hinausreichen.
Das Netzwerktreffen im Kloster Reimlingen zeigte eindrucksvoll, wie aus einem gebauten Projekt ein Ort des Lernens und des Dialogs werden kann, und wie wichtig starke Partnerschaften sind, wenn Bauen im Bestand zukunftsfähig gelingen soll.
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